Die Hinsbecker Weihnachtskrippe erstrahlt in neuem Glanz

Nach 100 Jahren war es so weit. Die Hinsbecker Weihnachtskrippe brauchte ein "neues Gewand". Nun haben wir es geschafft. Pünktlich zum Advent ist sie wieder in Hinsbeck "angekommen".

Lesen Sie hierzu den Bericht von Heinz Koch:

100 Jahre Hinsbecker Landschaftskrippe

Historische Krippe wurde umfangreich restauriert und nun mit neuen Ideen aufgestellt

Hinsbeck (hk). Ein in unseren Bereichen nicht alltägliches Jubiläum feiert die Kippe der Hinsbecker Pfarrkirche in diesem Jahr: Sie wird zum 100. Mal aufgestellt. Diese sehenswerte, in eine detailreiche Landschaft eingebundene Krippe, wurde in diesem Jahr wegen zahlreicher Beschädigungen einer umfangreichen Renovierung unterworfen: Die 27 menschlichen und 28 tierischen Figuren renovierte der über 80-jährige, weithin bekannte Restaurateur, Polychromier und Krippenbauer Hans Rommen aus Kevelaer, ein Experte der Renovierung von alten christlichen Figuren jeder Art. Dazu renovierte das Krippenteam der Pfarrkirche, das seit Jahren durch das Aufstellen der Krippe mit dessen Problemen vertraut ist, die gesamten Gebäude, Lagerfeuer, Wasserbrunnen usw. Hinzu kam der Einbau einer LED-Beleuchtung, durch die die Details innerhalb der Krippe deutlicher hervorgehoben und das Ganze besser illuminiert werden kann. Eine aufwendige Arbeit mit hervorragendem Erfolg.

Die Krippe wurde der Kirche auf Grund eines Gelübdes geschenkt. Als der Landwirt Joseph Thodam, damaliger Besitzer des Gehnenhofes im Oirlich, lebensgefährlich erkrankte, gelobte er vor Pfarrer Joseph Arians, bei einer Gesundung der Pfarrkirche eine Krippe zu stiften. Nach seiner Genesung erwarb er 1921 diese vom „Akademischen Bildhauer Gerd Brüx aus Cleve“ hergestellte detailreiche Krippe und schenkte sie der Kirche. Diese wurde seitdem mehrfach umgestaltet, entspricht aber im Grundsatz noch immer der damals geschenkten Krippe.

In diesen 100 Jahren hatten die Figuren starke Schäden erhalten. Daher bildete sich im Frühjahr dieses Jahres ein Arbeitskreis „Krippenrestaurierung“, bestehend aus Rainer Klingen, Herbert Heitzer, Ralf Hendrix, Heinz Koch und Johannes Schmitz, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, alle Figuren zu restaurieren. Um die nicht unerheblichen Kosten abdecken zu können, beschloss man, der Bevölkerung Patenschaften für die Figuren sowie die Brunnen und Gebäude anzubieten. Weitere Kosten entstanden für eine neue Elektrik inklusive einer LED-Beleuchtung sowie der Anschaffung geeigneter Kartons mit Unterteilungen für eine sichere Lagerung. Ein Grundstock war schon durch einen 2000 Euro-Heimatscheck des Landes NRW gelegt. Erfreulicherweise war auch in der Bevölkerung das Interesse am Erhalt dieser Krippe sehr groß, innerhalb kürzester Zeit waren 137 Patenschaften für die Figuren, Beleuchtungssets, Transportboxen und Staubschutzsäcke vergeben, dazu auch Geld für die weiteren benötigten Materialien vorhanden. Als Anerkennung für seinen Einsatz erhält jeder Spender eine Urkunde mit einem Bild „seiner“ Figur vor und nach der Renovierung bzw. seiner speziellen Spende.  

Bei einer ersten Inaugenscheinnahme der Figuren fielen dem Restaurator Rommen weitere, extreme Schäden auf. Insbesondere die Extremitäten wie Arme, Beine und Füße sowie die Ständer hatten gelitten, teilweise bestanden sie nur noch aus den stabilisierenden Drähten. „Maria hatte unter ihrem Mantel überhaupt keine Arme und Hände mehr“, wie Rommen dem Team bei einer Vorbesprechung zeigte. In mühseliger Handarbeit trug Rommen mehrere dünne Gipsschichten auf die Drähte auf, modellierte die Formen nach und ergänzte sie mit passenden, selbstgemischten Farben. Die vom Staub der 100 Jahre grau gewordenen Gewänder reinigte er im Beisein des Teams lediglich mit Wasser, was die alten Farben wieder sofort zum Leuchten brachte. „Das hätten wir als Laien nie riskiert“, war sich Klingen mit dem Team einig. Nach monatelanger Arbeit war das Werk im November vollbracht und das Team konnte die Figuren wieder – äußerst vorsichtig – zur Hinsbecker Kirche zurückholen. Dem Restaurator Hans Rommen galt die Bewunderung der Teilnehmer. Was er hier geleistet und mit enormer Akribie wiederhergestellt hat, ist Sehens- und staunenswert!

Parallel dazu machte sich das rund 10 Personen umfassende Krippenbauerteam an die Arbeit, die Gebäude und Landschaft zu überarbeiten bzw. zu erneuern. Die Gebäude hatten einen extrem starken Holzwurmbefall, sodass zahlreiche Teile ausgetauscht werden mussten. Hierbei war der Hinsbecker Schreinermeister Guido Küppers dem Team eine große Hilfe. Teilweise mussten neue Dächer, neue Fenster und neue Schindeln eingebaut werden, sodass das Team mehrere Wochen Arbeit hatte. Dazu wurde die Elektrik modernisiert und brandschutzsicher gemacht, dazu eine detailreiche, indirekte Beleuchtung durch dezente LED-Lampen in und an den Gebäuden sowie an den Brunnen und am Lagerfeuer angebracht. Lassen Sie sich in der Adventszeit überraschen!   

Es wird ein neues, faszinierendes Erlebnis, wenn zur diesjährigen Advents- und Weihnachtszeit in der Hinsbecker Krippe nicht nur die Figuren neu erstrahlen, sondern mit den vom Krippenteam renovierten Gebäuden und der Landschaft ein malerisches Bild erzeugt wird. Man darf auf die Vorstellung ab Advent dieses Jahres gespannt sein. Da die Krippe in diesem Jahr nicht in der „Josefshött“, sondern an anderer, exponierter Stelle aufgebaut wird, bietet sich die Möglichkeit, auch den Aufbau anders durchzuführen. So wird man z.B. die biblischen Szenen der Advents- und Weihnachtszeit nachbilden, so dass Besucher bei jedem Besuch eine neue Darstellung sehen können.

  1. Szene: Verkündigung des Engels an Maria (1. Advent)
  2. Szene: Die Vermählung (2. Advent)
  3. Szene: Reise nach Bethlehem (3. Advent)
  4. Szene: Die Herbergssuche (4. Advent)
  5. Szene: Geburtsdarstellung Jesu mit Hirtenverkündigung (Heilig Abend)
  6. Szene: Hirten an der Krippe (1. Weihnachtstag)
  7. Szene: Fest der unschuldigen Kinder / Drei Könige folgen dem Stern (Silvester/Neujahr)
  8. Szene: Huldigung des Neugeborenen durch die drei Könige (3. Januar)
  9. Szene: Flucht nach Ägypten (10. Januar)

Startpunkt der szenischen Darstellungen ist der 1. Advent, Endpunkt ist Mitte Januar. Die Krippe ist zu besichtigen am 1. Advent (29.11.), 2. Advent (6.12.), 3. Advent (13.12.) und 4. Advent (20.12.), sowie am 27.12., am 3.1.2021 und am 10.1.2021, von jeweils 14 bis 17 Uhr. Hinzu kommen die Zeiten nach allen Messen in der Hinsbecker Pfarrkirche (falls welche stattfinden können). Für eine den Corona-Bedingungen angepasste Leitung durch die Kirche und zur Krippe wurde vom Leiter des Teams, Rainer Klingen, ein Plan erstellt, für dessen Beachtung und Aufsicht das Krippenbauteam der Pfarrkirche Hinsbeck an allen Tagen sorgt.

Krippe am Altar 2.Advent (c) St. Peter Hinsbeck

Impressionen zur Krippe

Impressionen zur Krippe

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